Volkswirtschaftslehren

Adam Smith (1723-1790) vertrat eine extrem liberale Wirtschaftspolitik: Wettbewerb, Freihandel, Gewerbefreiheit und Privateigentum würden, wenn sich der Staat mit Eingriffen heraushält, zu Interessenausgleich und Wohlstand für alle sorgen. Dies führte im „Manchesterkapitalismus“ zu schlimmer sozialer Ungerechtigkeit und Ausbeutung.

John Maynard Keynes (1883-1946) vertraut den Selbstheilungskräften des Marktes nicht völlig und will den Staat in Krisenzeiten eingreifen lassen, indem er antizyklisch agiert sollen Konjunkturzyklen abgedämpft werden. Ein resultierendes Haushaltsdefizit soll in günstigeren Konjunkturzyklen abgetragen werden.

Karl Marx (1818-1883) meinte, die ungleichen Verhältnisse dadurch beseitigen zu können, dass er die Produktionsmittel verstaatlichte und so den reichen Kapitalisten entzog. Das Proletariat sollte die Regierungsgewalt übernehmen, bis eine utopische, klassenlose Gesellschaft im Besitz aller Produktionsmittel eine gleichmäßige Verteilung der Wertschöpfung erreicht.
Der Versuch einer Umsetzung dieser Ideen im „real existierenden Sozialismus“ der Ostblockstaaten dürfte als gescheitert anzusehen sein.

Friedrich August von Hayek (1899-1992) schliesslich erklärte, ...

.... dass Märkte keiner staatlichen Intervention bedürften, bzw. dass diese die "freien" Märkte nur stören würde. Eigentlich lehnte er den Begriff des "Laisse-faire Staates" ab, allerdings reduzierten sich die staatliche Interventionsmöglichkeiten zunehmend auf wenige Grundfunktionen, so dass sie nichteinmal die von Hayek selbst (in Verfassung für die Freiheit von 1960) geforderten Punkte:

  • Die Schaffung einer Rechtsordnung, die Vertragsfreiheit, Eigentum und Haftung beinhaltet
  • Bereitstellung der öffentlichen Güter
  • Zertifizierung von Informationen, die der Sicherheit und Gesundheit dienen
  • Erhebung von Steuren
  • Sicherung eines Mindesteinkommens

erfüllen können. Er beriet R.Reagan und M.Thatcher persönlich in Rücksprache bei ihren Reformen und kann somit als einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater der letzten Jahrzehnte angesehen werden. Obwohl er zeitlebens für "Freiheit" eintrat, erleben wir zur Zeit nach verschiedenen anderen Diktaten, das Diktat der Märkte, die einer eigenen Logik folgend, die Grundlagen des Zusammenlebens selbst in Frage stellen,  um gnaden- und gewissenlose Gewinnorientierung zu einem gesellschaftlich fördernswerten Gut verkommen zu lassen. (->Bailouts?)

 

 

Nachdem die Planwirtschaft gescheitert ist und sich die Staaten im Neoliberalismus festgefahren haben können Sie inzwischen, aufgrund der enormen Schulden und folglich der hohen Zinsforderungen der Geldbesitzer, nur noch verzweifelt gegensteuern. Und was passiert? "Erprobte" Rezepte werden wieder hervor geholt und uns als "modern" verkauft:

  • Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich
  • Lohnkürzungen für die Arbeiter
  • oder noch erfolgreicher für die Bilanz: Entlassung der Arbeiter zur Steigerung der Rendite

Alle Arbeitslosen werden schnell auf Sozialhilfeniveau (ALG II nach „Hartz IV“) gedrückt, immer mehr Menschen sinken auch bei uns unter das Existenzminimum ab und die Zukunft der nächsten Generation ist durch die hohen Schulden und eine maßlose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen schon in Gefahr. Irgendwann kommt dann die Erkenntnis, dass „Laissez-faire“ nicht funktioniert, sondern zu Massenverelendung führt, so dass der Staat wieder aktiv eingreifen muss.

Kapitalismus und Sozialismus sind dabei keine Gegensätze, denn sie unterliegen dem gleichen Wirtschaftsprinzip und unterscheiden sich nur in der Frage des Eigentums an Produktionsmitteln.
Aber weder der Kapitalismus noch der Sozialismus waren und sind auf Dauer in der Lage, die Menschen ausreichend und gerecht mit materiellen Gütern zu versorgen und ihre Zukunft zu sichern. Eine Evolution der Wirtschaft ist von Nöten, die offensichtlich zutage getretene Schwächen beider Wirtschaftsweisen Nachhaltig, ohne ewig wachsende Schuldenberge auf einer doch endlichen Welt, ermöglicht.

Der Ökonom Silvio Gesell (1862-1930) sieht die Ursache ungerechter Güterverteilung in einem strukturellen Fehler des Geldsystems und des Bodenrechts. Die Geldbesitzer sind in der Lage, durch „Horten“ des Geldes zulasten der Allgemeinheit stets positive Realzinsen zu erzwingen und damit leistungsloses Einkommen zu erzielen. Durch den Zinseszinseffekt wird der Anteil der Zinseinkünfte am Volkseinkommen gegenüber dem Arbeitseinkommen immer größer, woraus eine Verteilung von unten nach oben immer rasanter vor sich geht. Gesell will dieser Entwicklung durch Abschläge auf gehortetes Geld statt Zinszahlungen entgegen wirken; dadurch soll die Anhäufung von Geld und eine Spekulation damit verhindert werden.

Neben diesem „Freigeld“ wird das „Freiland“ propagiert. Ausschließlich die Gemeinde und letztendlich die Gemeinschaft hat das Recht, durch Verpachtung von Grundstücken Einnahmen zu erzielen. Die Waffengleichheit zwischen den Waren- und Geldbesitzern und der Entzug des unvermehrbaren Gutes „Grundstücke“ vor Spekulationen sollen zu einer echten freien Marktwirtschaft ohne „Monopoly-Effekt“ führen.

Die Erkenntnisse der Freiwirtschaftslehre wurden noch nicht im Großversuch einer Volkswirtschaft ausprobiert. Da gibt es bisher lediglich die örtlichen Versuche vom „Wunder von Wörgl“ (Österreich 1930) bis zu den komplementären Währungen unserer Tage („Roland“ in Bremen, „Chiemgauer“ in Prien am Chiemsee, „Berliner“ in Berlin, „Carlo“ in Karlsruhe, „Kirschblüte“ in Witzenhausen, „Urstromtaler“ in Salzwedel und etliche mehr).

Gesells Ideen hatten das Pech, den deutschen Nazis ins Konzept zu passen und von ihnen propagandistisch ausgeschlachtet zu werden. Aus der Kritik am Zinsnehmen (die sich im Übrigen in allen drei großen monotheistischen Religionen wiederfindet) wurde die „Zinsknechtschaft“ und schon waren die Juden (als Geldverleiher) an allem schuld.

Über 60 Jahre nach dem II. Weltkrieg sollten wir soweit sein, diese Verdrehung zu durchschauen. Wer heute noch der Nazipropaganda aufsitzt und in Gesells Ideen antisemitische Tendenzen erkennen will, handelt eher selbst antisemitisch, denn er unterstellt ja, dass tatsächlich alle Geldbesitzer jüdischen Glaubens sind, -welch absurde Unterstellung!

Wer bietet ein Wirtschaftssystem, das dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgt und nicht auf Ausbeutung der Natur und der Masse der Menschen setzt, sondern eine gerechte Verteilung der Güter ermöglicht, das dem Hunger auf der Welt und dem Krieg und Terrorismus den Nährboden entzieht und allen Menschen die Möglichkeit gibt, in Würde zu leben und ihre Möglichkeiten zu entfalten, ein Wirtschaftssystem, das fit ist für das 21.Jahrhundert?

Wenn wir so etwas nicht von den zur Zeit relevanten Parteien geboten bekommen, sollten wir in Eigeninitiative vor Ort das schaffen, was "von oben" nicht gewollt wird!

In Lüneburg wurde 2007 der Verein Regio Lunar e.V. Verein für Nachhaltigkeit in Nord-Ost-Niedersachsen gegründet, der sich Gedanken zur  Funktionsweise des Geldes machen will und dafür auch -in Ergänzung zum Euro- ein Regionalgeld („Lunar“ Gutschein) einführen möchte, das den anderen Regeln gehorcht. Sicher ist das nur ein kleiner Stein im nötigen Mosaik, aber vielleicht der richtige Stein des Anstoßes für die Politiker.