Eine Geschichte
Drei Freunde trafen sich jeden Dienstagabend beim Stammtisch, der Wirt, ein Malermeister und ein Kürschner. Eines Tages kam ein fremder Gast, ein Reisender, der eine Nacht in der Gastwirtschaft über-nachtet hatte, zum Wirt und bat ihn, einen 1.000-€-Schein in Verwahrung zu nehmen, da er selbst nicht mit so viel Geld reisen wolle. In fünf Wochen käme er wieder durch den Ort und würde das Geld dann wieder abholen. Der Wirt legte den Schein in seinen Safe. Dem Kürschner fiel nun ein, dass er noch einen sehr schönen Pelz im Sonderangebot hatte. Der würde genau 1.000 € kosten und der Frau Wirtin besonders gut stehen. „Aber die 1.000 € gehören mir doch gar nicht“, sagte der Wirt. „In fünf Wochen ist das Geld wieder bei Dir!“ behauptete der Kürschner. So kaufte der Wirt den Pelzmantel.
Der Malermeister hatte den Handel mitbekommen und machte nun dem Kürschner ein An-gebot. Weil sie ja Freunde seien, würde er den Laden des Kürschners für 1.000 € fein neu anstreichen. Gesagt und abgemacht: Das Geld wechselte zum Malermeister.
Der Wirt wusste, dass der Malermeister aus Anlass eines Jubiläums ein Fest geben wollte. „... und für einen schlappen Tausender richte ich Dir eine schöne Feier aus.“ Daraufhin feierten sie ein rauschendes Fest. Das Geld war wieder beim Wirt gelandet.
Nach Ablauf der fünf Wochen konnte der Wirt dem Reisenden seinen Tausender wieder aushändigen. Der bedankte sich artig für den guten Dienst und zerriss den Schein in kleine Schnipsel. Leider, das hätte er in der Zwischenzeit erfahren, wäre der Tausender Falschgeld –es gibt keinen 1.000-Euro-Schein.
Der Wirt hatte einen Pelzmantel erstanden, der Kürschner einen frisch gestrichenen Laden erhalten und der Malermeister hatte sein Fest gefeiert. Alle waren reicher und mit dem Ergebnis zufrieden. Wodurch? Der Glaube an den Wert eines Fetzens Papier, das aussah wie ein Tausender, hatte allen geholfen.
Über den Sinn und Zweck des Geldes nachzudenken, will diese Geschichte anregen. Geld ist eigentlich nur ein Tauschmittel, das den Handel mit Waren erleichtern und beschleunigen soll und kann. In diesem Sinne ist Geld eine segensreiche Erfindung.
Leider haben die Menschen dem Geld eine zweite Funktion gegeben: als Wertaufbewahrungs-mittel. Geld kostet keine Lagerkosten und wird mit der Zeit auch nicht schlecht (wie andere Waren), im Gegenteil bringt Geld noch Zinsen, wenn man es der Bank zur Verfügung stellt. Doch nur umlaufendes Geld erfüllt seine eigentliche Funktion.
Zur Zeit lockt die Zinseinnahme als Umlaufsicherung, aber wie wir feststellen, führt dieses System zur Verarmung eines großen Teils der Bevölkerung und zur Ebbe in den öffentlichen Kassen, während die wenigen Reichen durch den Zins und Zinseszins immer reicher werden.
Wie wäre es, wenn das Geld auch „rostet“ oder mit der Zeit „verwelkt“ oder „Lagerkosten“ verursacht –wie andere Waren??
Mit einer solchen Umlaufsicherung wäre jedermann bestrebt, das Geld bald auszugeben, es damit in Umlauf zu halten!
Profitieren würden davon alle, die Reichen vielleicht etwas mehr, was ja nicht schlimm wäre, wenn alle ihr Auskommen hätten oder?
Nach einem Artikel aus „Humanwirtschaft“ März/April 2004