Wachstum?

Jeder weiß, dass es in der Natur für jedes Wachstum eine Grenze gibt. Ständiges Wachstum ist unnatürlich; das gilt auch für das Wirtschaftswachstum.

Dennoch fordern alle großen Parteien, Verbände und Gewerkschaften ständiges Wachstum der Wirtschaft, weil nur so die Arbeitsplätze erhalten bleiben oder neu geschaffen werden. Dabei ist klar, dass ständiges Wachstum (in der Medizin wäre das „Krebs“) in einem begrenzten System wie unserer Erde zum ökologischen Kollaps führen wird. (Die Umwelt leidet; das Prinzip der Nachhaltigkeit wird nicht angewandt.)

 

Bei gleichbleibender Leistung und gleichbleibendem Einkommen müsste man doch auch ohne Wirtschaftswachstum seinen Wohlstand erhalten –ja durch langlebige Güter sogar steigern können. Worin liegt der Grund, dass das in unserer „sozialen Marktwirtschaft“ nicht funktioniert?

Wie wird unser Volkseinkommen verteilt? Bekannt ist, dass es zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt wird und der Staat an beiden Stellen über Steuern zugreift. Während aber die Löhne und Gehälter wie auch die Einkünfte der Unternehmen weniger stark gestiegen sind als das Bruttoinlandsprodukt und die Staatseinnahmen etwa die gleiche Steigerung hatten, erfuhren vor allem die Bankzinseinnahmen und Geldvermögen eine riesige Steigerungsrate.

Die Gewinner dieses Systems sitzen aber bei den Verhandlungen über die Verteilung der Einkommen (Tarifverhandlungen oder Bündnisse für Arbeit) gar nicht mit am Tisch, sondern werden selbstverständlich vorab bedient. Zinseinkünfte –im übrigen weniger besteuert als Löhne- steigen ständig stark an und um den verbleibenden Rest des Volkseinkommens dürfen sich die Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und der Staat balgen. Das System wird nicht einmal ernsthaft hinterfragt, obwohl sich der soziale Kollaps längst deutlich abzeichnet. (Die Spanne zwischen Armen und Reichen wird ständig größer. Die Anzahl der Armen steigt unaufhaltsam.)

Also mit mehr Wachstum den ökologischen Kollaps herbeiführen oder mit weniger Wachstum den sozialen? Oder gibt es eine andere Möglichkeit?

Ja, die gibt es. Es ist erforderlich, auch das Geldkapital mit seinem Zins den Gesetzen der Marktwirtschaft auszusetzen, so dass die Zinsen gegen Null gehen, wenn kein Geld im System benötigt wird. Wir brauchen ein Geld im System, welches umläuft und sich nicht vom Markt zurückzieht, um künstlich die Zinsen hochzuhalten. Wir brauchen ein „Geld ohne Zinsen und Inflation“, ** ein Geld, das allen dient.
Es mag dauern, bis wir ein solches Geld „von oben“ bekommen. Aber warum nicht vor Ort unsere Möglichkeiten nutzen und für den kleinen, regionalen Wirtschaftskreislauf ein „Geld“ einführen, das den besseren Regeln gehorcht?  Und mit solchen „Komplementärwährungen“ wird anderenorts schon gearbeitet. Da gibt es den „Roland“ in Bremen, den „Chiemgauer“ in Prien am Chiemsee, den „Berliner“ in Berlin, den „Carlo“ in Karlsruhe, die „Kirschblüte“ in Witzenhausen oder den „Urstromtaler“ in Salzwedel. Wie soll unser „Regio-Geld“ heißen?

In Lüneburg wurde 2007 der Verein Regio Lunar e.V. Verein für Nachhaltigkeit in Nord-Ost-Niedersachsen gegründet (www.regio-lunar.de.), der sich Gedanken zur  Funktionsweise des Geldes machen will und dafür auch -in Ergänzung zum Euro- ein Regionalgeld („Lunar“ Gutschein) einführen möchte, das den anderen Regeln gehorcht.

Nach einem Artikel von Helmut Creutz für INWO-Deutschland, Düsseldorf